Höchste Zeit, miteinander statt übereinander zu reden!

– Forderung nach einem Kataster für genehmigte Einleitungen in die Oder
Eine Pressemitteilung des Forum Natur Brandenburg e.V.

Das Landeslabor Berlin/Brandenburg hat in Wasserproben aus der Oder erhöhte Werte von 2,4-Dichlorphenoxyessigsäure (2,4-D) nachgewiesen. Die Substanz kommt auch in Unkrautbekämpfungsmitteln zum Einsatz. In einer am 9. August - mit Beginn des Fischsterbens - in Frankfurt (Oder) genommenen Wasserprobe wurde 2,4-D in einer Konzentration von 9,14 μg/l nachgewiesen. Der Wert überschreitet den zulässigen Grenzwert um das 8,8-fache, ist in der Konzentration aber nicht toxisch.

Die dazu veröffentlichte Meldung des Brandenburgischen Umweltministeriums bezeichnete Polens Umweltministerin Anna Moskwa am 20.08.2022 als „Fake-News“ und stellt sie als einen Angriff auf die polnischen Landwirte dar.

Während viele Menschen entlang des Flusses noch immer mühevoll die Kadaver der Fische einsammeln, möchte Polens Umweltministerin ihr persönlichen Versagen relativieren.

Die bisherige Ursachenforschung des Fischsterbens legt nahe, dass auf polnischer Seite Genehmigungen von Einleitungen in die Oder leichtfertig erteilt bzw. diese geduldet wurden. Bereits im Jahr 2004 wurde auf private Initiative hin entlang der Oder dazu recherchiert. Rund 25 km nordöstlich von Breslau wurde man fündig. In unmittelbarer Nähe zu einem Chemieunternehmen wies das Wasser eines in die Oder mündenden Grabens starken Phenolgeruch auf. In einer vor Ort entnommenen und in einem deutschen Labor untersuchten Wasserprobe wurde damals ebenfalls die Substanz 2,4-D mit einer Konzentration von 2,157 mg/l (1mg = 1000 μg) nachgewiesen.

Eine daraufhin in Deutschland erstattete Strafanzeige gegen Unbekannt verlief seinerzeit jedoch im Sande. Die aktuell im Zusammenhang mit dem Fischsterben bei Frankfurt (Oder) ermittelte Konzentration liegt deutlich niedriger. Der Nachweis deutet aber darauf hin, dass sich am Umgang mit solchen Einleitungen seither wenig geändert hat.

Dr. Sabine Buder, Geschäftsführerin des Forum Natur Brandenburg: „Angesichts der dramatischen Bilder vom noch immer anhaltenden Fischsterben entlang der Oder sind Äußerungen der polnischen Umweltministerin, Anna Moskwa, nur schwer zu ertragen. Aufgrund der Betroffenheit zweier EU-Mitgliedstaaten und eines europäischen Schutzgebietes ist es geboten, dass die EU-Kommission eine vollumfängliche und transparente Aufarbeitung vornimmt. Die Messergebnisse und die deutliche Überschreitung des Grenzwertes sind Fakten. Es liegt ausdrücklich in der politischen Verantwortung der Umweltministerin Polens, den Ursprung dieser Grenzwertüberschreitung ermitteln zu lassen, die Einleitung dieser Substanz in die Oder unverzüglich zu stoppen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.“

„Auch fast vier Wochen nach dem Beginn des massiven Fischsterbens in der Oder gibt es bei der Suche nach den Ursachen nur wenige greifbare Ergebnisse. Das Ablassen eines Sammelbeckens mit salzhaltigen Abwässern in die Oder und der wiederholte Nachweis der Substanz 2,4-D deutlich oberhalb des zulässigen Grenzwertes sind wahrscheinlich nur die Spitze des sprichwörtlichen Eisberges. Wir fordern vor diesem Hintergrund die Einrichtung eines auch öffentlich einsehbaren Oder-Katasters, in dem die Anrainerstaaten alle genehmigten Einleitungen in den Fluss mit den relevanten Details zu Art, Umfang und Zeitraum der Einleitung hinterlegen“ sagt Andreas Koppetzki, Hauptgeschäftsführer des Landesanglerverbandes Brandenburg und Vizepräsident des Landesfischereiverbandes Brandenburg/Berlin.

„Polens Umweltministerin steht mit ihren Aussagen zu Recht in der Kritik. Sie möchte augenscheinlich vom Versagen ihres eigenen Hauses und ihrer politischen Verantwortung ablenken. Dazu möchte sie sich nun hinter den Landwirten verstecken. Bedauerlicherweise verwendet auch unser Ministerium in der Presse denselben Zungenschlag. Im Zuge der Aufklärung der Ursachen des Fischsterbens in der Oder fordere ich daher von meinem zuständigen Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt- und Klimaschutz (MLUK) in Brandenburg dessen uneingeschränktes Einstehen für die Landwirtschaft sowie eine klarere Differenzierung der Ursachen von Einträgen. Die Landwirtschaft darf nicht wieder als diffuse Quelle von industriellen Schadstoffen deklariert werden.“ so Henrik Wendorff der Präsident des Landesbauernverbandes in Brandenburg.

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