Gute Baukultur in Lanke

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Am 1.12.2021 übergab die Gemeinde Wandlitz den neugestalteten Vorplatz des Schlosses in Lanke der Öffentlichkeit.  Die früher unansehnliche Fläche, die hauptsächlich als Autoparkplatz genutzt wurde, verwandelte sich: Das Terrain wurde entsprechend seinem Gefälle befestigt, die Zufahrt bis zum Schlosstor breiter angelegt und mit 10 Granitpollern begrenzt. Es wurde eine wassergebundene Wegedecke mit gelber Farbgebung und mit nur anfänglich buntem Granitpflaster angelegt. Neun Winter-Linden, bereits sieben Meter hoch und 15-18 Jahre alt, sind neu in Linienstruktur der Bäume des Schlossparkes gepflanzt. Landschaftsrasen und diverse Grasarten wurden angelegt. Fahrradständer, eine Stableuchte und acht Bänke laden zum Verweilen ein. Bürgermeister Oliver Borchert lobte die Arbeit der Platzgestaltung aus einem Guß: „Der neue Schlossvorplatz wertet das ohnehin schöne Lake noch einmal ein ganzes Stück auf.“ Besonders ist dabei, dass hier Landschaftsplanung, Denkmalschutz und Erinnerungskultur Hand in Hand arbeiteten.

Geschichtsetappen in Lanke: Bauerndorf - Rittergut - Gemeinde 

Wer sich künftig auf dem Lanker Schloss-Vorplatz ausruht, kann sich gleichzeitig an der Lesetafel über die Geschichte des Ortes und die Wurzeln der Ausflugs- und Erholungsmöglichkeiten informieren. Lanke, 1315 erstmals urkundlich erwähnt, gehörte 1415 bis 1620 dem Adelsgeschlecht von Arnim. Das Dorf litt stark im Dreißigjährigen Krieg, fiel fast wüst und wurde ab 1654 durch den Prendener Generalfeldmarschall Otto Christoph von Sparr wieder aufgebaut. 1668 erwarb die Familie von Happe das Dorf und gründete das Rittergut Lanke. 1764 baute Major Hans Heinrich von Wülknitz das Gut zum Herrensitz aus. 1827 erwarb Graf Friedrich Wilhelm von Redern, Generalintendant der Königlichen Bühnen von Berlin, das Gut Lanke samt den umliegenden Orten Prenden, Ützdorf, Sophienstädt, Neudörfchen und Arendsee. 
In den Jahren 1820 - 1913 erhielt Lanke seine noch heute erkennbare denkmalgeschützte Grundstruktur. Ab 1859 erstrahlte das Lanker Schloss im Stil der französischen Renaissance (Architekt Eduard Knoblauch). Eine Parkanlage wurde hinter dem Schloss entlang der Zentralachse Richtung Hellsee angelegt. 

1913 verkauften die Erben des Grafen von Redern das 5.000 ha große Areal in Lanke an Berlin. Die Metropole erwarb damit 30 km nördlich ihrer Stadtgrenze großen Wald- und Flächenbesitz in Brandenburg. Sie machte das Gut zum „Berliner Stadtgut“, unterwarf die Wälder der eigenen orstnutzung und sicherte sich Vorhalteflächen für weitere Rieselgüter sowie das reizvolle Naherholungsgebiet als „grüne Lunge“. 
Der Eigentumswechsel beeinträchtigte nicht die Pachtverhältnisse. Der schlesische Kohle-Industrielle Friedrich (Fritz) Friedlaender-Fuld war seit 1894 Pächter und verstarb 1917 auf Lanke. Seine Tochter, Marie-Anne verheiratete von Goldschmidt-Rothschild, wurde vom NS-Regime 1938 in die Emigration getrieben. Das NS-Regime nutzte das Schloss für den Reichsarbeitsdienst. In der DDR wurde das Gut 1949 zum Volksgut Lanke und das Schloss ab 1950 zum Lungensanatorium des Krankenhauses Buch. 1951 wurde es in „Gertrud-Seele-Haus“ umbenannt - im Gedenken an die Krankenschwester und vom NS-Regime ermordete Widerstandskämpferin. Von 1968 - 1998 nutzte das Eberswalder Kreiskrankenhaus das Schloss als Pflegeheim.  

Berlin verkaufte 2007 das Gut an einen familiengeführten landwirtschaftlichen Biobetrieb und das Schloss an eine Bauherrengemeinschaft. Bis 2014 wurde das Schloss denkmalgerecht saniert.

Das Schloss ist in Privatbesitz und beherbergt neben den privaten Wohnungen der Eigentümerfamilien auch einige Ferienwohnungen. Es ist nur anlässlich öffentlicher Veranstaltungen zugänglich und fungiert auch als Außenstelle des Wandlitzer Standesamtes. 

Der reizvolle Park hinter dem Schlosseingang ist Brandenburgisches Gartendenkmal und über den „66-Seen-Wanderweg“ und den Rundwanderweg „Seeblicke Hellsee“ für die Öffentlichkeit zugänglich.

Vom herrschaftlichen Refugium zum heutigen Ausflugsziel für alle

Die Wurzeln der Ausflugs- und Erholungsmöglichkeiten in Lanke und Umgebung reichen bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts zurück. Die Möglichkeiten waren damals schon vielfältig, jedoch einer kleinen Elite des Geldadels vorbehalten: Landpartien, Jagden, Golfen, Tontaubenschießen, Ausritte mit den eigenen Pferden, Ausfahrten per Auto und Chauffeur, Bootsfahrten auf dem Hellsee und mit Einführung der neuen Sportart Schwimmen ein eigenes Badehaus an der Hellmühle.

Seit 1894 hatte Friedrich (Fritz) Friedlaender-Fuld (1858 – 1917) das Schloss gepachtet. Der Geheime Kommerzienrat war schlesischer Kohle-Industrieller und einer der reichsten Männer im deutschen Kaiserreich. Er und seine einzige Tochter, Marie-Anne (1892-1973), prägten das Schloss und seine Freizeitanlagen. In Berlin wurde seinerzeit gar vom „kleinen Musenhof“ gesprochen. Vater Friedlaender-Fuld verstarb 1917 auf Schloss Lanke. Seine Tochter war Kunstsammlerin, Malerin und Schriftstellerin. Sie war dreimal verheiratet mit einem britischen Lord (1914), einem deutschen Diplomaten (1920 Hochzeit auf Schloss Lanke) und dem Maler Rudolf von Goldschmidt-Rothschild (1923). Vor ihrer dritten Ehe konvertierte sie zum jüdischen Glauben. Sie wurde antisemitisch verfolgt, systematisch um ihr Vermögen gebracht und 1938 in die Emigration gezwungen. 

Die Wälder im Einzugsgebiet des Hellsees sind heute vom Land Brandenburg als Erholungswald der Stufe 3 bzw. als Klimaschutzwald ausgewiesen. 

Dr. Claudia Schmid-Rathjen
Kulturamtsleitung
Gemeinde Wandlitz
 

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